Dieser Artikel gehört zum Thema Japan zwischen Tempeln, Metropolen und Vulkanen.
Ein gefalteter Baumwollkimono auf den Tatami, ein Becher Tee, durch das Fenster Dampf über bewaldeten Hängen: So beginnt in Gora, wo die kleine Bergbahn aus Hakone-Yumoto nach ihren Spitzkehren endet, die Stunde, für die Sie eigentlich gekommen sind. Die Tatami, Matten aus gepresstem Reisstroh, riechen nach Gras, und bevor das Licht hinter den Bergen verschwindet, bleibt Ihnen Zeit für das erste Bad. Auch Shahab Kamali, Gründer von Signature Kollection Travel, kam im Juni nach Gora. In seinem Reisebericht aus Japan erinnert er sich an Wald ringsum, Dampf über den Quellen und eine Ruhe, in der nur Laub und Wasser zu hören waren.
So angekommen, erfahren Sie, was einen Ryokan von einem Hotel unterscheidet. Das Haus gibt Ihrem ganzen Tag seinen Rhythmus: Ankunft, Bad, Abendessen, Nachtruhe, Frühstück. Und im Bad dieses Hauses sitzen Sie oft im Wasser eines Onsen, einer Quelle, die aus dem vulkanischen Untergrund Japans aufsteigt. Warum aber legt ein Gasthaus fest, wann Sie essen? Weshalb baden Sie hier ohne Badekleidung, und warum bleibt manchem Gast mit Tätowierung die Tür zum Becken verschlossen? Ein Teil der Antworten führt zurück in die Edo-Zeit, als Japan von 1603 bis 1868 von einer Militärregierung in Edo, dem heutigen Tokio, aus regiert wurde. Ein anderer führt in die Tiefe, dorthin, wo das Wasser heiß wird.
Vom Gasthaus an der Fernstraße zum Ryokan von heute
Die Geschichte des Ryokan beginnt auf der Straße. 1601 ließ der Feldherr Tokugawa Ieyasu, der zwei Jahre später als Shogun, als oberster Militärherrscher, die Macht im Land übernahm, den Tokaido als Verbindung zwischen seinem Machtzentrum Edo und der Kaiserstadt Kyoto ordnen. Unter ihm und seinen Nachfolgern wuchs daraus mit vier weiteren Routen das Netz der Gokaido, der fünf großen Fernstraßen, deren gemeinsamer Ausgangspunkt die Brücke Nihonbashi im Herzen von Edo war. Der Tokaido folgte der Pazifikküste und war in 53 Poststationen gegliedert, die der Holzschnittmeister Utagawa Hiroshige in den 1830er-Jahren in seiner Bildfolge „Die 53 Stationen des Tokaido“ festhielt. An diesen Stationen entstanden Unterkünfte für alle, die unterwegs waren: Beamte, Händler, Pilger und vor allem die Fürsten des Landes.
Denn das Shogunat, die Regierung der Tokugawa, verpflichtete die Daimyo, die regionalen Fürsten, ab 1635 dazu, im jährlichen Wechsel in Edo zu residieren. Dieses System, Sankin-kotai genannt, setzte gewaltige Reisezüge in Bewegung, die mit Gefolge, Gepäck und Zeremoniell über die Fernstraßen zogen. Für die Fürsten hielten die Stationen Honjin bereit, vornehme Herbergen, die meist von angesehenen Familien des Ortes geführt wurden. Gewöhnliche Reisende übernachteten in Hatago, einfachen Gasthäusern, in denen der Wirt Abendessen und Frühstück zubereitete. In dieser Verbindung von Bett, Mahlzeit und Bewirtung liegt der Kern dessen, was Sie in einem Ryokan bis heute erleben.
Hakone war eine dieser Stationen und zugleich ein Nadelöhr. Am Ufer des Ashi-Sees kontrollierte der 1619 errichtete Hakone Sekisho, eine Sperrstation des Shogunats, alle Reisenden auf dem Weg nach und von Edo; 2007 wurde die Anlage mit traditionellen Handwerkstechniken vollständig rekonstruiert. Die Heilquellen der Berge waren damals längst bekannt. Yumoto, das älteste Bad, soll der Überlieferung nach schon im 8. Jahrhundert entdeckt worden sein, und schon in der Edo-Zeit war von den „Sieben Bädern von Hakone“ die Rede: Yumoto, Tonosawa, Miyanoshita, Dogashima, Sokokura, Kiga und Ashinoyu. Als sich Japan in der Meiji-Zeit ab 1868 dem Westen öffnete, kamen die Eisenbahn und mit ihr die Ausflügler aus Tokio und Yokohama. 1919 führte die Bergbahn bis Gora hinauf, und aus der Herberge am Weg wurde allmählich das Ziel der Reise selbst. Auf derselben Strecke fahren Sie heute in Spitzkehren hinauf.
Ein Tag im Ryokan folgt dem Rhythmus des Hauses
Der Tag im Ryokan beginnt am Nachmittag. Eingecheckt wird meist ab 15 oder 16 Uhr, und viele Häuser empfangen Sie mit grünem Tee und Wagashi, einer kleinen japanischen Süßigkeit, deren Form und Farbe oft die Jahreszeit aufgreifen. Ihre Schuhe lassen Sie am Eingang. Im Haus tragen Sie Pantoffeln, auf den Tatami nur Socken oder bloße Füße, und vor der Toilette stehen eigene Pantoffeln, die Sie dort auch wieder abstellen. Im Zimmer liegt für Sie eine Yukata bereit, ein leichter Baumwollkimono, den Sie im ganzen Haus tragen, auf dem Weg ins Bad ebenso wie beim Abendessen. Dabei schlagen Sie die linke Seite über die rechte; umgekehrt kleidet man in Japan die Verstorbenen. In kühleren Monaten gehört ein Tanzen dazu, eine wattierte Jacke, die Sie darüber tragen.
Um Sie kümmert sich in vielen Häusern eine Nakai, eine Zimmerbetreuerin, die Ihnen den Tee bringt, das Essen serviert und erklärt, wann das Bad geöffnet ist. An der Spitze traditioneller Ryokan steht oft die Okami, die Wirtin. Die Okami gibt dem Haus sein Gesicht. Japaner nennen die Haltung, die sie vorlebt, Omotenashi: eine Gastfreundschaft, die Ihre Wünsche erfüllt, bevor Sie sie aussprechen, und die keine Gegenleistung erwartet.
Am Abend verwandelt sich das Zimmer, oft während Sie beim Essen sitzen. Der niedrige Tisch wird beiseitegestellt, auf den Tatami liegen nun die Futons, dicke Matratzen mit schwerer Decke. Am Morgen ist alles wieder verschwunden. Dass ein Raum je nach Tageszeit Wohnzimmer, Speisezimmer und Schlafzimmer ist, gilt im traditionellen japanischen Wohnen als Regel, nicht als Ausnahme.

Kaiseki: Wie aus der Mahlzeit der Teemeister das Abendessen im Ryokan wurde
Auf das Bad folgt der zweite feste Punkt des Ryokan-Tages: das Abendessen. Es wird in festen Zeitfenstern serviert, die Uhrzeit wählen Sie meist beim Einchecken, und je nach Haus essen Sie im Zimmer, in einem privaten Speiseraum oder im Restaurant. Die Mahlzeit besteht aus vielen kleinen Gängen, die einer überlieferten Ordnung folgen: eine kleine Vorspeise, eine klare Suppe, roher Fisch, dann Gegrilltes, Geschmortes und Frittiertes oder Gedämpftes, etwas Säuerliches zur Erfrischung, zum Schluss Reis mit Miso-Suppe und eingelegtem Gemüse und danach Obst oder eine Süßspeise. Diese Form des Essens heißt Kaiseki, und hinter dem einen Wort verbergen sich zwei Traditionen.
Mit den Schriftzeichen für „Brust“ und „Stein“ geschrieben, bezeichnet Kaiseki die schlichte Mahlzeit, die bei einer förmlichen Teezeremonie vor dem Tee gereicht wird: eine Suppe, drei Beilagen, sonst nichts. Der Name soll auf die warmen Steine zurückgehen, die Mönche gegen den Hunger an die Brust drückten. Geprägt hat diese Teemahlzeit im 16. Jahrhundert der Teemeister Sen no Rikyu, und von ihm stammt der Grundsatz, mit wenigen, sorgfältig gewählten Speisen die Jahreszeit spürbar zu machen. Das Festessen der Gasthäuser dagegen, mit anderen Schriftzeichen geschrieben und ebenfalls Kaiseki gesprochen, entstand in den Restaurants der Edo-Zeit als Bankett, bei dem von Beginn an Sake getrunken wird. Im Ryokan erleben Sie beide zugleich: die Abfolge und Fülle des Banketts und die Aufmerksamkeit des Teerituals für Saison, Geschirr und Augenblick. Welche Rolle der Tee in Kyoto spielt, erklärt der Guide zu Kyotos Gärten, Tempeln und Teekultur.
Was auf den Tisch kommt, bestimmen Region und Jahreszeit. In den Bergen von Hakone kommen andere Zutaten auf Ihren Tisch als an der Küste von Ise-Shima, im Frühling andere als im Herbst, und selbst Schalen und Teller wechseln mit der Saison. Diese Sorgfalt hat eine praktische Seite. Weil die Küche für jeden Gast einzeln vorbereitet wird, sind Ankunft und Essenszeit eng miteinander verknüpft; planen Sie Ihre Anreise so, dass Sie das Menü vom ersten Gang an genießen. Allergien und Ernährungswünsche nennen Sie am besten schon bei der Buchung. Das gilt auch, wenn Sie vegetarisch essen, denn Dashi, die Brühe aus Kombu-Alge und getrocknetem Bonito, ist Grundlage vieler Gerichte.
Ein Land, das auf heißem Wasser steht
Oberhalb von Hakone, in Owakudani, einem Vulkantal am Hang des Kamiyama, zischt Dampf aus dem Boden, und die Luft riecht nach Schwefel. Das Tal entstand vor rund 3.000 Jahren bei einem Ausbruch des Kamiyama, seither treten hier ständig Dampf und Gase aus, und sie versorgen heute viele Häuser in Gora und Sengokuhara mit Thermalwasser: Wasser wird in den Dampf geleitet, erhitzt sich, nimmt dessen Mineralien auf und fließt durch Leitungen ins Tal. Was Sie in Owakudani mit eigenen Augen sehen, geschieht überall in Japan im Verborgenen. Der Archipel liegt dort, wo mehrere Erdplatten aufeinandertreffen, und zählt 111 aktive Vulkane. Regenwasser versickert, wird in der Tiefe erwärmt, löst Mineralien aus dem Gestein und steigt wieder auf. Das japanische Umweltministerium zählte zum Frühjahr 2025 landesweit 2.839 Onsen-Gebiete mit Unterkünften und 27.899 Quellen, aus denen zusammen fast zweieinhalb Millionen Liter Wasser pro Minute fließen.
Gebadet wurde in diesen Quellen schon in der Frühzeit. Die Reichschronik Nihon Shoki aus dem Jahr 720 berichtet, dass Kaiser Jomei im 7. Jahrhundert die Quellen von Arima im Norden des heutigen Kobe und von Iyo besuchte, dem heutigen Dogo Onsen in Matsuyama auf der Insel Shikoku. Das hölzerne Hauptgebäude des Dogo Onsen stammt von 1894 und wurde 1994 als erstes öffentliches Badehaus Japans zum Wichtigen Kulturgut erklärt. Über Jahrhunderte galten heiße Quellen vor allem als Heilmittel: Die Menschen reisten zur Kur, Toji genannt, und blieben oft Wochen.
Jede Quelle hat ihren eigenen Charakter, und das Gesetz verlangt, dass ihre Zusammensetzung am Bad ausgehängt wird; so ist schon vor dem ersten Bad nachzulesen, in welchem Wasser Sie sitzen werden. Manche Wasser sind klar und mild, andere milchig, eisenhaltig und rötlich oder schwefelhaltig wie das aus Owakudani. Achten Sie auf den Hinweis Gensen-kakenagashi: Das Wasser fließt direkt aus der Quelle ins Becken und läuft über, ohne aufbereitet oder im Kreislauf geführt zu werden. Im Rotenburo, dem Bad unter freiem Himmel, spüren Sie heißes Wasser und kühle Bergluft zugleich.

Shukubo: Die stillere Verwandte des Ryokan auf dem Koyasan
Eine besondere Form japanischer Gastlichkeit erleben Sie auf dem Koyasan, einem bewaldeten Hochplateau im Kii-Gebirge südlich von Osaka. Hier gründete der Mönch Kukai, später Kobo Daishi genannt, im Jahr 816 auf Land, das ihm Kaiser Saga überlassen hatte, das Zentrum des Shingon-Buddhismus, einer esoterischen Schule, die auf Rituale, Mantras und Meditation setzt. Seit Jahrhunderten nehmen die Tempel Pilger auf, und von den 117 Tempeln, die heute auf dem Berg stehen, bieten 51 Übernachtungen an. Diese Tempelunterkünfte heißen Shukubo. Wie im Ryokan wohnen Sie auf Tatami und schlafen auf dem Futon, doch Ihr Tag folgt dem Rhythmus des Tempels. Abends wird Ihnen Shojin-ryori serviert, die vegetarische Küche der Mönche, die ohne Fleisch und Fisch auskommt und aus Tofu, Gemüse und Wildkräutern feine Gerichte macht. Am frühen Morgen sind Sie eingeladen, still an der Andacht teilzunehmen. Der Koyasan gehört mit weiteren heiligen Stätten zum UNESCO-Welterbe der Kii-Berge, wie der Guide zu Ise, Nara und Koyasan ausführt.
Shahab Kamali hat auf seiner Reise in einem dieser Tempel übernachtet, einem Haus mit mehr als tausendjähriger Geschichte, in dem ihn Mönche empfingen. Zu seinen Stationen gehörten der Okunoin, der große Friedhof im Zedernwald, der Tempelbezirk Danjo Garan und der Kongobu-ji, der Haupttempel der Koyasan-Shingon-Schule. Was ihm vom Koyasan besonders blieb, war ein Bruch im Bild: zwischen alten Hallen und völliger Ruhe ein Föhn neuester Bauart, in Lila. In solchen Überraschungen liegt für ihn ein guter Teil des Reizes, den Japan ausübt.

Im Bad gelten Regeln, die allen dienen
Die Etikette im Onsen wirkt beim ersten Besuch streng, folgt aber einer einfachen Logik: Viele Menschen teilen dasselbe Wasser, und es soll sauber und ruhig bleiben. Deshalb waschen Sie sich gründlich, bevor Sie ins Becken steigen, und zwar sitzend an den Waschplätzen mit Hocker, Schüssel und Brause. Deshalb baden Sie nackt, denn Badekleidung gilt als unhygienisch. Und deshalb gehört das kleine Handtuch, das Sie mitnehmen, nicht ins Wasser, sondern an den Beckenrand oder gefaltet auf den Kopf. Die öffentlichen Bäder eines Hauses sind nach Geschlechtern getrennt; ein blauer Vorhang markiert in der Regel den Eingang für Männer, ein roter den für Frauen. Manche Ryokan tauschen die Bäder über Nacht, sodass Sie am Morgen in einem anderen Becken baden als am Abend. Gemischte Bäder, Konyoku genannt, gibt es noch, sie sind aber selten geworden.
Heiß ist das Wasser oft wirklich, und am schönsten ist das Bad in ruhigem Tempo. Das japanische Umweltministerium empfiehlt, mit drei bis zehn Minuten pro Bad zu beginnen und die Zeit erst nach einer Eingewöhnung auf 15 bis 20 Minuten zu verlängern. Trinken Sie vorher und nachher ein Glas Wasser, und gönnen Sie sich nach dem Baden etwa eine halbe Stunde Ruhe. Für das Bad wählen Sie am besten einen Moment mit etwas Abstand zu den Mahlzeiten und zum Sake, also nicht direkt vor oder nach dem Kaiseki.
Tätowierungen: Woher die Zurückhaltung kommt
Vor dem ersten Onsen fragen viele Reisende nach Tätowierungen, und die Frage hat eine Geschichte. In Japan wurden großflächige Tätowierungen lange mit der Yakuza in Verbindung gebracht, der organisierten Kriminalität; daraus entstanden Zutrittsregeln, die sich in vielen Häusern bis heute gehalten haben. Als die japanische Tourismusbehörde 2015 Hotels und Ryokan dazu befragte, antworteten 581 von 3.768 Häusern. 56 Prozent von ihnen verwehrten Gästen mit Tätowierung den Zutritt zum Bad, 31 Prozent ließen sie ein, 13 Prozent unter der Bedingung, dass das Motiv abgedeckt ist. Im Frühjahr 2016 wandte sich die Behörde an die Branche: Ausländische Gäste allein wegen einer Tätowierung abzuweisen, sei nicht angemessen. Als Lösungen schlug sie vor, Motive mit Pflastern abzudecken, ruhigere Badezeiten anzubieten oder auf private Bäder auszuweichen.
Für Ihre Reise heißt das: Eine allgemeine Regel für ganz Japan gibt es nicht, jedes Haus entscheidet selbst. Kleine Tätowierungen lassen sich oft mit einem hautfarbenen Pflaster abdecken, wenn das Haus zustimmt. Ganz unkompliziert baden Sie in einem Kashikiri-buro, einem privaten Bad, das Sie für eine bestimmte Zeit reservieren, oder gleich in einem Zimmer mit eigenem Außenbad. Dann stellt sich die Frage gar nicht erst, und das Bad gehört Ihnen allein.
Vor der Buchung: Zimmer, Bad und Ankunftszeit
Zwischen einem historischen Gasthaus mit zehn Zimmern und einem großzügigen Resort, das Elemente des Ryokan aufgreift, gibt es wenig Gemeinsames außer dem Bad. Erst die konkrete Zimmerkategorie entscheidet, wie Ihr Aufenthalt aussieht. Viele Häuser bieten inzwischen Zimmer mit Betten statt Futons und mit Sitzmöbeln statt Bodenkissen; sitzen oder schlafen Sie ungern auf dem Boden, müssen Sie auf diesen Komfort nicht verzichten. Ebenso wichtig ist die Frage, wo Sie essen, ob Ihr Zimmer ein eigenes Bad mit Quellwasser hat und ob dieses Bad innen oder im Freien liegt.
Planen Sie die Ankunft um das Abendessen herum. Ein Ryokan entfaltet sich am Nachmittag, und je früher Sie eintreffen, desto mehr bleibt Ihnen vom Haus und vom Bad, bevor das Abendessen beginnt. Großes Gepäck schicken Sie in Japan per Gepäckdienst von Hotel zu Hotel voraus; für ein oder zwei Nächte im Ryokan genügt Ihnen dann eine kleine Tasche. Trinkgeld ist in Japan unüblich. Möchten Sie sich bei der Nakai bedanken, ist ein Kokorozuke in einem Umschlag eine freiwillige Geste, die niemand erwartet.
So planen wir Ryokan und Onsen in eine Japanreise
Bei der Auswahl unserer Gastgeber achten wir darauf, dass das Haus selbst zu einem Teil der Reise wird. Das Gora Kadan in Hakone liegt auf dem Gelände der früheren Sommervilla von Prinz Kan’in Kotohito, einem Angehörigen einer Nebenlinie des Kaiserhauses, und gehört seit 1991 zu Relais & Châteaux, einer internationalen Vereinigung unabhängiger Hotels und Restaurants. Die Bäder werden mit Quellwasser gespeist, abends wird Kaiseki serviert, und zu einigen Zimmern gehört ein eigenes Außenbad. Auf unserer zwölftägigen Reise über Hakone nach Osaka bleiben Sie zwei Nächte in diesem Haus, Zeit genug für den Ashi-See, Owakudani und den Ryokan selbst. Was die Region darüber hinaus bietet, beschreibt der Guide zu Fuji und Hakone.
Einen anderen Weg geht Amanemu an der Ago-Bucht im Ise-Shima-Nationalpark. Das Resort übersetzt die Badekultur des Ryokan in großzügige Architektur: In jeder Suite erwartet Sie ein eigenes Onsen-Bad, das 2.000 Quadratmeter große Spa wird von einer Thermalquelle gespeist und hat zwei private Onsen-Pavillons. Shahab Kamali kam nach einem Halt am Ise-Schrein hierher; ihm blieb vor allem die Aussicht, die über die Bucht bis weit auf den Ozean reicht. Die Tempelunterkunft schließlich erleben Sie auf unserem Kulturpfad über Hakone, Ise und Koyasan: zwei Nächte im Tempel Ekoin auf dem Koyasan, in einer Suite mit eigenem Außenbad und Halbpension. Dort schreiben Sie Sutren ab oder nehmen an der Morgenmeditation teil.
Auch in der Stadt muss das Bad nicht fehlen. Das Aman Kyoto, verborgen in einem Waldgarten im Norden der Stadt, speist sein Spa mit natürlichem Quellwasser und hat Onsen innen und unter freiem Himmel. So erleben Sie nach einem Tag in Kyotos Tempeln und Gärten, was sonst eine Reise in die Berge verlangt. Wie sich diese Häuser zu einer Route durch das ganze Land fügen, zeigt unsere Übersicht zur Japanreise.

Ob Bergort, Küstenresort oder Tempel: Für jede dieser Etappen gilt, was am Nachmittag in Gora beginnt. Ihr Tag wird langsamer, das Haus übernimmt die Regie, und irgendwann zwischen Tee, Bad und Abendessen stellt sich ein, worum es bei dieser Art des Reisens geht. Nicht übernachten, sondern ankommen.
Ihr Aufenthalt im Ryokan
Wir wählen mit Ihnen das Haus und die Zimmerkategorie, die zu Ihrem Reisestil passen, ob traditionelles Gasthaus in den Bergen, Resort am Meer oder Tempelunterkunft, und fügen den Aufenthalt so in Ihre Japanreise ein, dass genug Zeit für das Ankommen bleibt.
Häufige Fragen zu Ryokan und Onsen
Was ist der Unterschied zwischen Ryokan und Hotel?
Ein Ryokan ist ein traditionelles japanisches Gasthaus mit Tatami-Zimmern, Futons und meist inbegriffenem Abendessen und Frühstück. Anders als im Hotel bestimmt das Haus den Ablauf Ihres Tages mit festen Essens- und Badezeiten.
Badet man im Onsen nackt?
Ja. In den nach Geschlechtern getrennten öffentlichen Bädern baden Sie ohne Badekleidung, nachdem Sie sich am Waschplatz gründlich gewaschen haben. Möchten Sie lieber für sich sein, reservieren Sie ein privates Bad oder ein Zimmer mit eigenem Bad.
Darf man mit Tattoo ins Onsen?
Das entscheidet jedes Haus selbst. Viele Bäder lassen Gäste mit Tätowierung nicht ein, manche erlauben abgedeckte kleine Motive. Mit einem privaten Bad oder einem Zimmer mit eigenem Außenbad stellt sich die Frage für Sie gar nicht erst.
Wie viele Nächte sollte man im Ryokan bleiben?
Eine Nacht reicht für einen ersten Eindruck. Mit zwei Nächten gewinnen Sie einen vollen Tag für Umgebung, Bad und Ruhe, und erst dann entfaltet sich der Rhythmus des Hauses.
Gibt man im Ryokan Trinkgeld?
Trinkgeld ist in Japan unüblich. Möchten Sie der Zimmerbetreuerin danken, ist ein Kokorozuke, ein Dankesgeld im Umschlag, eine freiwillige Geste, die nicht erwartet wird.



