Es gibt Reiseziele, die einen faszinieren. Und es gibt Länder, die einen ein Leben lang begleiten, ohne dass man es bewusst wahrnimmt. Japan gehört für mich zur zweiten Kategorie.
Nach vielen Jahren im Tourismus und der Organisation unzähliger Japan-Reisen für meine Gäste wurde es Zeit, dieses außergewöhnliche Land selbst zu besuchen. Bereits bei der Gründung meiner Firma stand fest, dass Japan zu den wichtigsten Destinationen in meinem Portfolio gehören würde. Gleichzeitig wusste ich: Ich musste selbst dorthin reisen, um dieses Land wirklich zu verstehen und ein tiefes Gefühl dafür zu entwickeln. Denn meine Verbindung zu Japan reicht weit zurück.
Während meiner Kindheit herrschte Krieg im Iran. Damals wurde im staatlichen Fernsehen die japanische Dramaserie „Oshin“ ausgestrahlt – eine Serie, die Woche für Woche über 90 Prozent der Menschen im Iran vor den Fernseher fesselte. Erst während meiner Reise erfuhr ich, dass „Oshin“ auch in Japan die erfolgreichste Fernsehserie aller Zeiten ist.
Außerdem war mein Onkel Weltmeister im Karate und bestritt viele seiner Wettkämpfe in Japan. Schon als Kind hörte ich seine Geschichten und spürte die Faszination, die dieses Land auf ihn ausübte. Dazu kamen meine Begeisterung für japanische Automobile, meine Faszination für Technik und Computer sowie Marken wie Sony, Panasonic, Sega oder Atari.
Japan spielte also immer eine Rolle in meinem Leben – ohne dass ich mir dessen bewusst war. Erst auf dieser Reise fügten sich dann viele kleine Puzzleteile zusammen.
DER BEGINN EINER BESONDEREN REISE
Eine Japan-Reise braucht Zeit. Deshalb begann ich bereits im November mit der Planung für meine Reise durch Japan im Juni. Ganz bewusst entschied ich mich für diesen Zeitraum – außerhalb der Hochsaison während der Kirschblüte im März oder des Indian Summers im November. Ich wollte Japan erleben, wenn das Land etwas ruhiger atmet.
Meine Reise begann mit ANA – All Nippon Airways – von München nach Tokyo. Obwohl auch andere Fluggesellschaften diese Strecke bedienen, wollte ich bewusst mit einer japanischen Airline fliegen.
Mein Ziel war es, bereits während der Anreise ein Gefühl für Japan zu entwickeln. Und genau das sollte die Philosophie meiner gesamten Reise werden.
Es ging mir nicht darum, Sehenswürdigkeiten abzuhaken oder die bekannten Fotomotive der touristischen Hotspots zu sammeln. Ich wollte in dieses Land eintauchen. Seine Kultur verstehen. Mich – wann immer möglich – abseits der bekannten Routen bewegen.
Der rund zwölfstündige Flug verging erstaunlich schnell. Die Auswahl zwischen japanischen und internationalen Menüs bot eine angenehme Abwechslung. Dazu wurden Champagner, Sake und ausgewählte Weine serviert. Dadurch bekam ich bereits im Flugzeug einen ersten Vorgeschmack auf das, was mich kulinarisch erwarten würde.
ANKOMMEN IN EINER ANDEREN WELT
Um 6:30 Uhr Ortszeit landete ich in Tokyo. Was mich sofort beeindruckte, war die Ruhe in einem hochmodernen Flughafen, der perfekt organisiert und dennoch angenehm entspannt war.
Das Flughafenpersonal begrüßte mich mit einer leichten Verbeugung. Menschen zeigten den Weg, halfen bei jedem Schritt und sorgten dafür, dass die Anreise mühelos wirkte. Die Passkontrolle verlief vollständig automatisiert. Wenige Minuten später wartete mein Fahrer bereits am Ausgang. Von der Öffnung der Flugzeugtür bis zu dem Moment, als ich im Auto saß, vergingen keine zehn Minuten. Eine Effizienz, die ich in dieser Form selten erlebt habe.
Die Fahrt zum Aman Tokyo dauerte nur etwa zwanzig Minuten. Obwohl Tokyo mit mehr als 32 Millionen Einwohnern zu den größten Metropolregionen der Welt gehört, floss der Verkehr ruhig und geordnet. Keine Hektik. Jeder gewährt dem anderen den Vorrang. Und jeder bedankt sich dafür.
MEIN SIGNATURE MOMENT IM AMAN TOKYO
Die Ankunft im Aman Tokyo gehört zu meinen persönlichen Signature Moments dieser Reise.
Schon beim Betreten der Lobby war klar, dass dieser Ort etwas Besonderes ist: Der Blick über die Hochhäuser Tokyos. Der große Bonsai-Baum in der Mitte. Das Wasser, das ihn umgibt. Die fast 27 Meter hohe Decke. Kurz gesagt: Ein architektonisches Meisterwerk.
Vor allem aber war es die Ruhe, die mich tief beeindruckte. Niemand sprach laut. Niemand wirkte hektisch.
Als ich meine Suite im 38. Stock betrat, zog es meinen Blick sofort zu den bodentiefen Fenstern. Vor mir lag die Skyline von Tokyo, der Kaiserpalast und weit über der Stadt erhob sich der schneebedeckte Mount Fuji.
Ein Anblick, den ich niemals vergessen werde.
TOKYO – ZWISCHEN PULSIERENDER ENERGIE UND VERSTECKTEN WELTEN
Tokyo ist eine Stadt voller Kontraste.
Denn natürlich führte mich mein Weg auch nach Shibuya. Die berühmte Shibuya Crossing ist weit mehr als nur ein Fotomotiv. Doch nur wenige Straßen weiter zeigt die Stadt ein völlig anderes Gesicht: Gemeinsam mit meinem Guide entdeckte ich versteckte Gassen, kleine Bars und Restaurants mit nur fünf bis acht Sitzplätzen – Orte, die überwiegend von Einheimischen besucht werden. Ich besuchte kleine Galerien, traf einen jungen Künstler und erlebte kulinarische Highlights abseits der bekannten Touristenpfade. Zwischen den Neonlichtern Shibuyas, dem Meiji-Schrein, den Gassen von Asakusa und dem Sensō-ji-Tempel entfaltet Tokyo seinen unverwechselbaren Charakter.
Nach einigen Tagen wechselte ich ins Janu Tokyo – die urbane, moderne Schwestermarke von Aman. Spontan erkundigte ich mich, ob im japanischen Restaurant noch ein Platz frei sei, obwohl ich bewusst keine Reservierung vorgenommen hatte. Zu meiner Überraschung bekam ich einen Tisch.
Dort fragte ich, ob es möglich sei, eine persönliche Auswahl aus zwölf verschiedenen Sushi- und Nigiri-Kreationen zusammenzustellen – etwas, das so nicht auf der Karte stand. Nach kurzer Rücksprache mit dem Chefkoch wurde auch dieser Wunsch erfüllt.
Eine unvergessliche kulinarische Erfahrung, die mir zeigte, dass selbst höchste Perfektion Raum für Kreativität und Flexibilität lässt.
VOM URBANEN JAPAN IN DIE NATUR
Nach inspirierenden Tagen in Tokyo führte mich meine Reise weiter in Richtung Mount Fuji und Hakone. Den Mount Fuji zu besteigen, ist keine reine Outdoor-Aktivität. Es ist ein Ritual, ein Pilgerweg.
Unterwegs besuchten wir einen botanischen Garten direkt an einem See. Dort probierte ich zum ersten Mal eine Magnolien-Lavendel-Eissorte. Ein kleines, unerwartetes Detail, das mir bis heute in Erinnerung geblieben ist.
Hakone, insbesondere der kleine Bergort Gora, fühlte sich an wie Japan in seiner ursprünglichsten Form: umgeben von bewaldeten Hängen, dampfenden Quellen und einer Stille, die nur vom Rascheln der Blätter und dem leisen Plätschern des Wassers unterbrochen wurde. Der Hakone-Schrein am Ufer des Ashi-Sees, die vulkanische Landschaft von Ōwakudani und die traditionellen Onsen spiegeln auf ganz besondere Weise die enge Verbindung zwischen Natur und Spiritualität wider.
MIT DEM SHINKANSEN NACH ISE
Von Hakone fuhren wir zunächst zum Bahnhof Odawara. Dort erwartete mich meine erste Fahrt mit dem Shinkansen. Es war ein echter Gänsehautmoment, als plötzlich ein Shinkansen mit fast 300 Stundenkilometern an mir vorbeischoss.
Unser Weg führte vorbei am Mount Fuji in Richtung Nagoya. Bevor ich mein Tagesziel Amanemu erreichte, machten wir Halt in Ise. Der Ise-jingū, der bedeutendste Shintō-Schrein Japans, verleiht diesem Ort eine ganz besondere spirituelle Kraft. Zwischen alten Holzhäusern und den traditionellen Gassen von Okage Yokochō scheint die Zeit plötzlich langsamer zu vergehen.
AMANEMU UND KŌYA-SAN – DIE STILLE SEITE JAPANS
Amanemu ist eine Oase der Ruhe – eingebettet in die Natur, mit Blick auf die Ago-Bucht und die Weite des Ozeans.
Von dort führte mich die Reise über kurvenreiche Bergstraßen weiter nach Kōya-san. Hier übernachtete ich in einem über tausend Jahre alten Tempel und wurde von Mönchen empfangen.
Der Friedhof Okunoin, die Tempelanlage Danjō Garan und der Kongōbu-ji-Tempel verleihen diesem Ort eine Atmosphäre, die sich kaum in Worte fassen lässt. Traditionelle Tempelarchitektur. Absolute Stille. Und dann ein moderner Dyson-Haartrockner in Lila. Genau diese unerwarteten Details machen Japan so einzigartig.
SPIRITUALITÄT UND TRADITION IN KYOTO
Von Kōya-san ging es weiter nach Nara und anschließend nach Kyoto. Zwischen den historischen Gassen von Gion, den roten Torii des Fushimi Inari-Taisha und den Holzterrassen des Kiyomizu-dera scheint die Zeit stillzustehen.
Im Capella Kyoto wurde ich bereits beim Check-in mit einer Geisha-Zeremonie empfangen. Das prägendste Erlebnis in Kyoto war jedoch eine private Meditation mit einem Mönch im ältesten Tempel der Stadt.
Ein besonderer Moment für mich war die private Matcha-Zeremonie im Aman Kyoto. Umgeben von den berühmten Moosgärten des Resorts und den jahrhundertealten Ahorn-, Zedern- und Kamelienbäumen durfte ich eine der schönsten japanischen Traditionen selbst erleben. Matcha aus den renommierten Teefeldern Kyotos wurde mit größter Sorgfalt zubereitet und gemeinsam mit feinen japanischen Süßigkeiten serviert. In dieser außergewöhnlichen Kulisse entstand – nur wenige Minuten von der pulsierenden Metropole entfernt – ein Moment vollkommener Ruhe und tiefer Verbundenheit mit der Natur.
OSAKA – EINE OASE FÜR WELLNESS UND KULINARIK
Nach den spirituellen Erlebnissen in Kyoto führte mich meine Reise weiter nach Osaka. Zwischen den leuchtenden Fassaden von Dōtonbori, den kleinen Gassen von Namba und dem historischen Osaka Castle zeigt sich die ganze Vielfalt dieser Stadt.
Ich übernachtete im Patina Osaka – einem modernen Rückzugsort, nur wenige Schritte vom Osaka Castle Park entfernt. Der Blick auf den Palast begleitete mich vom Zimmer bis in den großzügigen Wellnessbereich. Für mich war das Spa eines der besten der Stadt: ein Ort, an dem moderne HealthTech-Anwendungen, traditionelle Behandlungen und absolute Ruhe aufeinandertreffen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir auch der Listening Room by OJAS – ein Sound Room, in dem seltene Vinylplatten und ein außergewöhnliches Soundsystem ein fast meditatives Erlebnis schaffen.
Im Waldorf Astoria Osaka erlebte ich schließlich ein Dinner mit Blick über die Skyline. Hoch über den Lichtern der Stadt wurde aus einem Abendessen ein ganz besonderer Moment.
Einer der unvergesslichsten Augenblicke meiner Reise war mein Teppanyaki-Erlebnis. Vor meinen Augen bereitete der Chefkoch mit beeindruckender Präzision originales Kobe-Wagyu-Rind zu. Die feine Marmorierung ließ das Fleisch förmlich auf der Zunge schmelzen. Es war eine kulinarische Inszenierung.
MEHR ALS EINE REISE
Meine Reise endete in Osaka. Doch eigentlich war es kein Ende, sondern eher der Beginn eines tieferen Verständnisses. Denn Japan ist weit mehr als eine Destination für mich. Japan war immer da – ich hatte es nur noch nicht erkannt. Wer nach Japan reist, besucht nicht einfach ein Land. Man taucht ein, in eine andere Art zu leben, zu denken und die Welt zu betrachten. Und man kehrt mit weit mehr zurück als nur mit Erinnerungen.





