Unerwartete Momente in Chile – Meine Eindrücke aus Patagonien

Von: Anja Sterker

Schneebedeckte Gipfel des Paine-Massivs unter Wolken über der patagonischen Steppe.
Inhaltsverzeichnis

Beinahe hätte ich meine erste Wanderung in Patagonien ausgelassen. Ich war gerade im Tierra Patagonia angekommen, müde von der langen Anreise, und ein ruhiger Nachmittag im Hotel klang verlockend. Gleichzeitig wollte ich endlich nach draußen und die Landschaft sehen, für die ich so weit gereist war. Ich ging mit. Was ich auf dem Rückweg neben der Straße entdeckte, hatte ich mir für die gesamte Reise gewünscht – nicht für den ersten Nachmittag.

Über Santiago nach Patagonien

Von München nach Santiago war ich mehr als 20 Stunden unterwegs. Deshalb legte ich zunächst eine Nacht im The Singular Santiago ein. Mir gefiel vor allem die Lage: Das Hotel liegt mitten im Viertel Lastarria, sodass ich direkt vor der Tür ein wenig durch die Gassen schlendern und nach der langen Anreise erst einmal ankommen konnte. Am Abend traf ich eine Kollegin von andBeyond, unserem Partner in Chile. Es war eine gute Gelegenheit, uns persönlich auszutauschen und einiges für unsere Zusammenarbeit zu besprechen. Am nächsten Morgen ging es weiter in den Süden, zur ersten richtigen Etappe meiner Reise: dem Tierra Patagonia.

Schon bei der Ankunft fiel mir auf, wie selbstverständlich sich der lang gezogene Holzbau in die Landschaft legt. Drinnen reicht der Blick durch die großen Fenster über den Lago Sarmiento bis zum Paine-Massiv. Ich kannte diese Aussicht von Bildern, doch sie nun selbst vor mir zu haben, war etwas ganz anderes.

Begrüßt wurde ich mit einem Drink aus Calafate, einer Beere aus der Region. Später probierte ich auch den Calafate Sour, die patagonische Variante des Pisco Sour – meine klare Empfehlung für jeden, der hierherkommt. In meinem Zimmer mit viel Holz und schlichter, geschmackvoller Einrichtung fühlte ich mich sofort wohl.

Mit Sebastian, der im Hotel die Ausflüge plant und die Gäste als Guide begleitet, stellte ich anschließend das Programm für die nächsten Tage zusammen. Er behält im Blick, welche Touren gerade verfügbar sind und was das Wetter zulässt, und richtet die Planung dabei ganz nach den Vorstellungen der Gäste aus. Ganz oben auf meiner Liste standen zwei Wünsche: Pumas sehen und einem Gletscher nahekommen. Gleichzeitig wollte ich genug Zeit haben, um das Hotel selbst in Ruhe zu genießen. Sebastian brachte passende Ideen ein, und gemeinsam legten wir die Tage so fest, dass beides Platz hatte.

Drei Pumas am Straßenrand

Von Santiago aus ist es zum Tierra Patagonia nicht mehr weit: rund dreieinhalb Stunden Flug bis Puerto Natales, dann noch etwa eine Stunde mit dem Auto. Trotzdem steckte mir die lange Anreise noch in den Knochen. Umso besser passte die erste Wanderung: nicht zu anstrengend, landschaftlich aber bereits ein Höhepunkt. Karge Hügel, Seen und Lagunen, dahinter die Berge mit ihren teils noch schneebedeckten Gipfeln. Nach den vielen Stunden im Flugzeug tat es gut, mich zu bewegen und die Landschaft nicht mehr nur durch ein Fenster zu sehen.

Auf dem Rückweg entdeckten wir direkt neben der Straße eine Puma-Mutter mit ihren zwei heranwachsenden Jungen. Ich reise viel nach Afrika und liebe Tierbeobachtungen, ganz besonders Wildkatzen. Löwen, Leoparden und Geparde habe ich dort schon oft beobachten dürfen. Einen Puma hatte ich bis dahin noch nie gesehen, und genau das war einer meiner größten Wünsche für diese Reise gewesen. Dass er sich gleich am ersten Nachmittag erfüllen würde, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Nun waren es sogar drei.

Vor allem die beiden Jungen waren aktiv. Sie spielten miteinander und versuchten gemeinsam, einen Vogel zu jagen. Ihnen dabei zuzusehen, war für mich ein riesiges Glück.

Zurück im Hotel freute ich mich auf das Abendessen und danach auf mein Bett. Der Blumenkohl zu meinem Hauptgericht schmeckte mir so gut, dass ich den Koch fragte, ob ich statt eines Desserts noch eine kleine Portion davon bekommen könnte – ich bin ohnehin kein großer Nachtischfan. Mein Wunsch wurde ganz selbstverständlich erfüllt. So endete mein erster Abend in Patagonien: mit Blumenkohl als Nachtisch und drei Pumas, die mir nicht mehr aus dem Kopf gingen.

Vor den Eiswänden des Grey-Gletschers

Am nächsten Morgen brachen wir früh zum Grey-Gletscher auf. Die Fahrt führte durch den Torres-del-Paine-Nationalpark, danach liefen wir über den Strand am Lago Grey zum Boot.

Zuerst trieben nur einzelne Eisberge im Wasser. In der Ferne wurde langsam der Gletscher sichtbar, und je näher wir kamen, desto deutlicher zeichneten sich Formen und Strukturen im Eis ab. Gleichzeitig wurde es spürbar kälter. Ich war froh über Mütze, Schal und Handschuhe.

Auf diesen Ausflug hatte ich mich besonders gefreut. Nun lagen diese gewaltigen Eiswände tatsächlich vor uns, und ich konnte mich kaum daran sattsehen. Zugleich beschäftigte mich die Frage, wie sich diese Landschaft in Zukunft verändern wird.

Zurück im Tierra Patagonia nahm ich an einer Weinprobe mit Aldo teil. Eigentlich arbeitet er im Service, doch Wein ist seine große Leidenschaft, und das merkte man ihm sofort an. Er stellte Weine aus verschiedenen Regionen Chiles vor und erzählte mit viel Wissen und Begeisterung von ihnen. Unter den vielen freundlichen Mitarbeitern stach er für mich besonders heraus: Ich mochte seine herzliche Art und fühlte mich während meines ganzen Aufenthalts bei ihm gut aufgehoben. Einer der Weine stammte von VIK, dem Weingut, das ich später auf meiner Reise noch selbst besuchen würde.

Unterwegs mit einem Gaucho

Beim Ausritt mit einem lokalen Gaucho erlebte ich die Landschaft noch einmal ganz anders. Wir waren nur zu dritt unterwegs: der Gaucho, mein Guide und ich. Wir ritten durch einen Fluss, über Hügel und zu einem Wasserfall, immer wieder mit Blick auf die markanten Bergtürme.

Mit dem Pferd durch diese weite, karge Landschaft zu ziehen, hatte für mich etwas unglaublich Beruhigendes. Ich hätte gerne noch mehr Zeit so verbracht. Spanisch spreche ich nicht, doch mein Guide übersetzte. So konnte ich dem Gaucho Fragen stellen und etwas über seinen Alltag erfahren. Der Ausritt hat mir nicht nur die Landschaft aus nächster Nähe gezeigt, sondern auch einen Einblick in die Kultur der Gauchos gegeben.

Zeit für das Tierra Patagonia

So gerne ich draußen unterwegs war, ich freute mich auch auf die ruhigeren Stunden im Hotel. Zum Sonnenuntergang war der beheizte Pool für mich der schönste Platz im Haus. Vom warmen Wasser aus sah ich zu, wie die Sonne hinter dem Bergmassiv verschwand. Dafür würde ich mir jederzeit wieder einen Nachmittag freihalten.

Auch die Yoga-Einheit tat mir nach den aktiven Tagen gut. Durch die bodentiefen Fenster wirkte es fast, als wären wir draußen in der Weite – nur geschützt vor Wind und Kälte.

Beim nächsten Mal würde ich deshalb wieder bewusst Zeit für das Hotel einplanen. Den Spa zu genießen und den Tag beim Abendessen in Ruhe ausklingen zu lassen, gehörte für mich genauso zu Patagonien wie die Wanderungen, der Ausritt und die Fahrt zum Gletscher.

Ich wäre gerne noch länger geblieben. Doch mit der Weinregion, der Atacama-Wüste und dem grünen Lake District lagen drei weitere Etappen vor mir. Nach meinen Tagen in Patagonien traf ich Shahab, und gemeinsam setzten wir unsere Reise durch Chile fort. Was wir dort erlebt haben, erzählt er in seinem Reisebericht „Meine Reise nach Chile – Ein Land, das ich jahrelang nur für andere geplant hatte“.

Bilder der Reise-Story:

Bild von Anja Sterker
Anja Sterker
Anja Sterker gestaltet Reisen für Menschen, die echte Begegnungen, besondere Orte und stille Momente suchen. Afrika hat ihren Blick auf das Reisen geprägt. Ihre Reisen sind persönlich, respektvoll geplant und führen gerne abseits klassischer Routen.

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