Ein Anflug über die Anden, zwei Weingüter mit ganz eigener Handschrift, eine Suite mit Vulkanblick und ein Nachmittag am Feuer einer Mapuche-Familie: Wie aus einem langen Wunsch eine Reise wurde, die mein Bild von Chile neu geordnet hat.
Manche Länder begleiten einen lange, bevor man sie zum ersten Mal betritt. Chile war für mich genau so ein Land. Über Jahre hatte ich Reisen dorthin für meine Gäste organisiert, mich intensiv mit den Regionen beschäftigt und unzählige Gespräche mit Partnern vor Ort geführt. Vor allem der Austausch mit einem chilenischen Kollegen hat meine Begeisterung immer wieder neu entfacht.
Und doch ist es etwas völlig anderes, ein Land aus Erzählungen und Reiseprogrammen zu kennen, als es selbst zu erleben. Nicht als Zwischenstopp in Santiago, sondern mit genug Zeit, um Menschen kennenzulernen und ein Gefühl dafür zu bekommen, was eine Reise durch dieses Land ausmacht.
Geografisch ist Chile eine Besonderheit. Rund 4.300 Kilometer erstreckt sich das Land von Norden nach Süden, im Durchschnitt ist es aber nur etwa 180 Kilometer breit. Auf der einen Seite liegt der Pazifik, auf der anderen ragen die Anden auf. Dazwischen wechseln sich Wüste, Weinberge, Seen, Vulkane und Regenwälder ab. Genau diese Spannweite hat mich immer fasziniert.
Gereist bin ich gemeinsam mit meiner lieben Kollegin Anja, die bei uns im Team Expertin für Afrika ist und ihr Wissen nun auf Südamerika erweitern wollte. Wir hatten uns viel vorgenommen: unterschiedliche Hotel- und Lodgekonzepte selbst testen, die Weinregionen verstehen, die Küche kennenlernen und vor allem die Menschen treffen, die hinter all dem stehen. Denn nur so können wir unseren Gästen künftig aus eigener Erfahrung sagen, welcher Ort zu welcher Reise passt.
Auf unserem Programm standen unter anderem The Singular, Hotel Magnolia, VIK, Clos Apalta, Tierra Atacama, Awasi, Explora und natürlich andBeyond Vira Vira.
Der erste Blick auf die Anden
Meine Reise begann in München, mit Swiss über Zürich und São Paulo nach Santiago de Chile. Für die lange Strecke hatte ich mich für die First Class entschieden und schon in Zürich sollte sich zeigen, warum: Mein Zubringer war verspätet, der Weiterflug nach São Paulo startete sogar früher als geplant. Normalerweise ein Grund für Unruhe.
Schon an Bord hatte die Crew alles in die Wege geleitet. Nach der Landung wartete ein Mitarbeiter mit Namensschild auf mich, brachte mich per Limousine durch die Passkontrolle bis ans Anschlussgate und sorgte dafür, dass auch mein Gepäck den Weiterflug erreichte. Alles dauerte nur wenige Minuten. In São Paulo wurde ich erneut empfangen und bis zum Anschlussflug begleitet. Für diese Organisation ein großes Dankeschön an Swiss. Auf einer so langen Reise machen genau solche Details den Unterschied.
Der eindrucksvollste Moment kam jedoch kurz vor der Landung. Als das Flugzeug die Anden überquerte, öffnete sich unter uns eine gewaltige Bergwelt aus schneebedeckten Gipfeln und schroffen Felsformationen. Die Turbulenzen über der Kette waren deutlich zu spüren, doch der Blick aus dem Fenster war schlicht überwältigend. Diese Berge sollten mich von nun an fast die ganze Reise lang begleiten.
Die unverwechselbare Kulisse Santiagos
In Santiago empfingen uns unsere Kollegen von andBeyond. Ein praktischer Hinweis für alle, die nach Chile reisen: Den Beleg, den man bei der Einreise erhält, unbedingt aufbewahren. Er wird bei der Ausreise benötigt und gelegentlich auch beim Hotel-Check-in verlangt.
Was die Stadt unverwechselbar macht, ist ihre Kulisse. Egal, in welche Richtung man blickt, die Anden sind präsent, an klaren Tagen mit schneebedeckten Gipfeln direkt hinter der Skyline. Überraschenderweise erinnerte mich das an meine Geburtsstadt Teheran, wo die Berge ebenfalls ein ständiger Begleiter des Stadtbildes sind. Eine pulsierende Metropole vor einer gewaltigen Berglandschaft zu erleben, hatte für mich etwas sehr Vertrautes.
Mein Kollege Cristobal zeigte mir seine Heimatstadt. Wir spazierten durch unterschiedliche Viertel, aßen in lokalen Restaurants und sprachen über die Geschichte und Entwicklung Santiagos. Gewohnt habe ich in diesen ersten Tagen im The Singular. Für mich gehört genau das zu einer guten Reisevorbereitung: nicht nur Hotels und Sehenswürdigkeiten abzuhaken, sondern zu verstehen, wie eine Stadt funktioniert und welche Menschen und Einflüsse sie prägen.
VIK: Wein, Kunst und eine Küche, die die Messlatte hochlegte
Nach einigen Tagen fuhren wir über die Panamericana hinaus in die Weinregionen. Es war chilenischer Frühling, alles begann zu blühen, und am Horizont standen wieder die verschneiten Anden. Die Bedingungen hier sind ideal für den Weinbau: kühle Brisen vom Pazifik, unterschiedliche Höhenlagen und Böden. Besonders die Carmenère, ursprünglich aus Bordeaux, hat in Chile eine neue Heimat gefunden und ist heute eine der charakteristischen Rebsorten des Landes.
Mein erstes Ziel war VIK, ein Weingut mit Hotel rund 160 Kilometer südlich von Santiago. Schon die Ankunft macht klar, dass hier ein eigenes Konzept verfolgt wird: Goldene Dächer liegen eingebettet in die Hügel des Anwesens, Kunst und Design begleiten einen überall. Meine Villa blickte auf den zum Gut gehörenden See und verband moderne Architektur mit einer warmen, wohnlichen Einrichtung. VIK wirkt lebendig, ohne an Exklusivität zu verlieren.
Beeindruckt hat mich vor allem die Küche. Ich koche selbst gerne und beschäftige mich viel mit Kräutern, Gewürzen und Zutaten. Vielleicht nehme ich Geschmack deshalb besonders bewusst wahr. Das Mittagessen bei VIK mit seinen Aromen, Kombinationen und der Weinbegleitung hat mich lange beschäftigt. Woher diese Qualität kommt, zeigte uns später der Chefkoch im hauseigenen Garten: Obst, Kräuter und Gemüse werden vor Ort angebaut, Blumen und bestimmte Pflanzen schützen den Garten auf natürliche Weise. Garden to Table ist hier kein Schlagwort, sondern ein sichtbarer Kreislauf.
Nach einer privaten Verkostung im Weinkeller wartete am nächsten Morgen etwas, das ich so noch nie erlebt hatte: ein Wine & Chocolate Tasting am offenen Feuer, bei dem Weiß- und Rotweine mit Schokoladen von weiß bis dunkel kombiniert wurden.
Mein Rat: Für VIK mindestens drei Nächte einplanen. Erst dann erschließt sich das Konzept wirklich, und die Nähe zu Santiago macht das Weingut zu einer idealen ersten Station.
Clos Apalta: Wo Wein durch Geduld und Schwerkraft entsteht
Nur etwa eine Stunde entfernt liegt das Relais & Châteaux Clos Apalta im Colchagua-Tal, und doch hätte der Kontrast kaum größer sein können. Zehn Villen und Casitas verteilen sich in einem privaten Naturschutzgebiet von rund 500 Hektar, mit Blick über Weinberge und Wald. Während VIK durch Architektur und Lebendigkeit wirkt, empfand ich Clos Apalta als deutlich privater. Hier geht es nicht darum, gesehen zu werden, sondern sich ganz auf den Ort und den Wein einzulassen.
Die Produktion ist kleiner und exklusiver, und genau das hat mich interessiert. Der Weinkeller zieht sich über mehrere Ebenen in den Hang. Statt Pumpen nutzt das Weingut die natürliche Schwerkraft, um die Weine von Ebene zu Ebene möglichst schonend zu verarbeiten. Obwohl ich schon viele Weingüter auf verschiedenen Kontinenten besucht habe, war diese Arbeitsweise für mich neu. Tief unter der Erde führte man uns schließlich in den privaten Keller der Eigentümer: mehr als 5.000 Flaschen, zurückreichend bis zum Jahrgang 1997, zwischen Felswänden gelagert. Diesen Bereich betreten zu dürfen, war ein besonderer Vertrauensbeweis.
VIK und Clos Apalta sind zwei ganz unterschiedliche Antworten auf die Frage, was Weinluxus in Chile bedeuten kann. Beide haben ihren Platz in einer individuell geplanten Reise, je nachdem, ob Gäste Inszenierung und Kunst oder Rückzug und Handwerk suchen.
Aufwachen mit einem Vulkan vor dem Fenster in Atacama
Von den Weinbergen flogen wir in den Norden, in die Atacama-Wüste, eine der trockensten Regionen der Erde. Die Landschaft wirkt beinahe unwirklich: endlose Weite, karge Ebenen, Vulkane und ein Licht, das sich im Lauf des Tages ständig verändert. Im Tierra Atacama blickte ich aus meiner Suite durch bodentiefe Fenster direkt auf einen schneebedeckten Vulkan. Morgens aufzuwachen und diese Landschaft vor sich zu haben, war ein Erlebnis für sich.
Die Höhe sollte man allerdings nicht unterschätzen. Viele Ausflüge führen auf über 3.000 Meter, deshalb lohnt es sich, dem Körper Zeit zur Gewöhnung zu geben. Belohnt wird man mit Höhenlagunen am Fuß der Vulkane, in denen Flamingos stehen und Mineralablagerungen das Wasser in ungewöhnlichen Farben schimmern lassen.
Neben Tierra Atacama haben wir uns auch Awasi und Explora angesehen und das neue Glamping-Konzept UNAI kennengelernt. Die kleinen, exklusiven Zelte erinnerten mich an besondere Safari-Camps in Afrika, und die Küche gehörte für mich zu den besten der ganzen Region. Für die Atacama empfehle ich mindestens drei bis vier Nächte, um ihre unterschiedlichen Landschaften bewusst miteinander zu verbinden.
Vulkane, Regenwald und das andBeyond Vira Vira in Pucón
Über Santiago ging es weiter in den Süden nach Pucón, zu einem Ort, den ich schon lange erleben wollte: andBeyond Vira Vira. Pucón liegt am Lago Villarrica, im Hintergrund erhebt sich der gleichnamige Vulkan. Auf den ersten Blick erinnerte mich die Region an die Schweiz, doch schnell zeigt sich ihr eigener Charakter. Alte Lavafelder, dichter Regenwald mit teils jahrhundertealten Bäumen, Flüsse und eine große Vogelvielfalt erzählen von einer Landschaft, die Vulkane über Jahrtausende geformt haben.
Die Lodge liegt direkt am Fluss. Man kann die Umgebung aktiv erkunden, auf dem Fluss unterwegs sein oder sich einfach Zeit für sich nehmen. Auch das Spa haben wir gerne genutzt. Kulinarisch wurde ich hier noch einmal überrascht. Nach VIK hatte ich gedacht, dieses Erlebnis sei kaum zu übertreffen. Doch die Küche von Vira Vira begeisterte mich auf eine andere Weise: weniger Inszenierung, dafür Zutaten, Natur und eine Gelassenheit, die sich bis auf den Teller überträgt. Müsste ich mich entscheiden, bekäme Vira Vira einen kleinen persönlichen Vorsprung.
Das eindrucksvollste Erlebnis dieser Tage fand allerdings nicht in der Lodge statt.
Am Feuer von Doña Rosario: Mein Signature Moment in Chile
Die Mapuche sind die indigenen Bewohner Südchiles. Ihre Geschichte ist geprägt von Kolonialisierung, Ausgrenzung und einem langen Kampf um kulturelle Anerkennung. Durch das Community-Engagement von andBeyond durften wir eine Mapuche-Familie in ihrem Zuhause besuchen, ein Zugang, der Reisenden normalerweise nicht offensteht.
Doña Rosario und ihr Mann empfingen uns in ihrer traditionellen Hütte, in deren Mitte ein offenes Feuer brannte. Eineinhalb Stunden saßen wir zusammen. Sie erzählte von ihrer Familie, ihren Traditionen und davon, wie sich das Leben der Mapuche über Generationen verändert hat. Besonders beeindruckt hat mich ihre Offenheit gegenüber der modernen Welt. Sie zeigte uns ein traditionelles Musikinstrument, das früher aus Bambus gefertigt wurde und heute auch aus Kunststoff erhältlich ist. Lächelnd erklärte sie, die Kinder könnten die leichteren Instrumente viel einfacher mit zur Schule nehmen, die aus Bambus seien ihnen schlicht zu schwer gewesen. Diese kleine Geschichte sagt viel über ihre Haltung: Tradition zu bewahren, heißt nicht, jede Veränderung abzulehnen, sondern die eigene Identität zu kennen und dennoch offen für die Zukunft zu bleiben.
Dann wurde Brot gebacken, und zwar direkt in der heißen Asche. Ich fragte mich zunächst, ob das überhaupt genießbar sein würde. Nach dem Backen wurde es gereinigt und uns noch warm serviert. Den Duft und den Geschmack habe ich bis heute nicht vergessen. Wir durften sogar selbst Getreide zu Mehl verarbeiten. Für Anja und mich war dieser Nachmittag keine touristische Vorführung, sondern eine persönliche Einladung in einen Alltag. Ich danke andBeyond ausdrücklich dafür, denn ein verantwortungsvoller Tourismus bezieht die Menschen vor Ort ein und gibt ihnen eine Perspektive, statt nur schöne Lodges zu bauen.
Was ich aus Chile mitnehme
Unsere letzte Nacht verbrachten wir im Hotel Magnolia, einem kleinen Boutiquehotel in einem historischen Gebäude im Zentrum Santiagos, modern neu interpretiert und Teil von Preferred Hotels. Ein bewusster Kontrast zum The Singular vom Beginn der Reise. Denn nicht jeder Gast sucht dasselbe: Manche schätzen ein großes Haus mit ausgeprägtem Servicekonzept, andere die Nähe eines kleinen Hotels mit individueller Handschrift.
Chile hat mich landschaftlich, kulinarisch und menschlich beeindruckt. Jede Region hat ihren eigenen Rhythmus, und genau deshalb lohnt es sich, sie nicht im Eiltempo, sondern mit ausreichend Zeit zu verbinden. Für Signature Kollection Travel war diese Reise eine große Bereicherung. Wir empfehlen Chile nun nicht mehr nur aus der Perspektive unserer Partner, sondern aus eigener Anschauung: Wir wissen, welche Unterkunft welche Wünsche erfüllt, welche Erlebnisse wirklich besonders sind und wo sich zusätzliche Nächte lohnen.
Und vielleicht ist das der schönste Gedanke, den ich mitgenommen habe: Es sind nicht immer die berühmtesten Orte, die eine Reise prägen. Manchmal ist es der erste Blick auf die Anden aus dem Flugzeugfenster, ein Glas Wein in einem Felsenkeller oder ein warmes Stück Brot aus der Asche an Doña Rosarios Feuer. Ich werde ganz sicher zurückkehren.
Reisen beginnt mit einem Gefühl, nicht mit einem Ziel.



